Die Krönung eines Resto-Projekts ist für mich eindeutig die Lackierung. Nach knapp acht Monaten voller Planungen, Recherchen, Teilebeschaffung und tonnenweise Werkstattbesuchen ist es letztlich das neue Federkleid, das dem Projekt am Ende Gestalt gibt und damit den größten Meilenstein legt.
Mit ein paar Wochen Verzögerung war es heute endlich soweit. Die Kabine war den ganzen Nachmittag für meinen Trans Am reserviert und dieses Spektakel wollte ich mir nicht entgehen lassen! So kam ich also kurz nach 12:00 Uhr im Bodyshop an, wurde dort vom Chef begrüßt und gleich zum Tatort begleitet. Da stand er nun, ein grundierter Pontiac ohne Heckklappe und Stoßstangen, bereit für die Transformation zum Clickmobil 2008!
Jeff stellte mir den Mann vor, der heute die Lackierarbeiten durchführen sollte: Jim, ein junger Mann von gerade mal 21 Jahren, der noch mit den letzten Abklebearbeiten beschäftigt war und mich freundlich begrüßte.
Der Boss erklärte mir, was heute alles auf dem Programm stehen sollte:
- Auftrag der Sealer-Schicht
- Komplette Lackierung in schwarz
- Abkleben der Trennlinie für die Zweifarbenlackierung
- Lackierung des unteren Teils in silber
- Vier Schichten Klarlack
Wow, die Jungs hatten sich was vorgenommen!
Ich hatte bisher noch nie längere Zeit in einer Lackiererei verbracht, deswegen war das alles für mich auch hochinteressant und ich wollte definitiv bis zum Schluß dabeibleiben, um mitanzusehen, wie aus dem Haufen Blech wieder ein anständiges Auto werden würde.
Also los gings, Jim bereitete den Wagen für den Sealer vor, schlüpfte dann extra für mich in einen brandneuen Lackieranzug und legte los. Mit professionellem Schwung nebelte er den Firebird ein und nach ca. 30 Minuten war dieser Durchgang auch schon erledigt. Danach stand ich vor der recht einfachen Wahl des passenden schwarzes … Deep Black!
Rein damit in die Sprühpistole und ab gings in die Lackierkabine. Diese war übrigens auf knackige 105 Grad Fahrenheit beheizt (ca. 40 Grad Celsius), innen herrschte ein leichter Überdruck und die Luft strömte gefiltert von oben und wurde unter dem Fahrzeug abgesaugt - das ganze nennt sich auf US-amerikanisch schlicht “Downdraft Booth”.
Jetzt legte Jim richtig los. Er meinte, es würde ihm sehr viel Spaß machen, mein Auto zu lackieren, weil der Shop normalerweise nur Versicherungsarbeiten machen würde und solche Projekte wie meins sehr selten aufträten.
Na bestens, motivierte Leute sind natürlich besser als irgendsoein grantelnder Mooshuber, der keinen Bock hat!
Durch das Fenster in der Kabine konnte ich dann genau mitansehen, wie mein Trans Am Schicht für Schicht schwärzer wurde. Soweit ich das beurteilen konnte, machte der Junge das sehr präzise und geschickt und irgendwie war das schon ein tolles Gefühl mitanzusehen, wie der neue Lack langsam Gestalt annahm.
Die Zeit verging wie im Flug und nachdem der letzte Sprühnebel seinen Platz auf dem Auto gefunden hatte, war es Zeit fürs Einbrennen. Eine knappe Stunde musste der Lack aushaerten, bevor es ans Abkleben gehen sollte. Inzwischen war es 14:30 Uhr und ich nahm die Gelegenheit wahr, um mir bei Dunkin Donuts ein paar Straßen weiter einen Mittagssnack einzuwerfen.
Pünktlich kam ich zurück, denn jetzt sollte es richtig spannend werden.
Diese Zweifarbenlackierung war nicht ganz einfach, denn die Trennlinie wollte ich über die Radläufe ziehen lassen und das ging ja nur per Hand. So war also ein besonderes Geschick beim Anbringen des 3M-Tapes
gefordert, aber Jim enttäuschte mich hier nicht.
Der erste Versuch am hinteren Radkasten dauerte etwas länger, aber danach hatte er den Bogen im wahrsten Sinne des Wortes heraus und klebte fröhlich und präzise weiter.
Ich war die ganze Zeit neben ihm und äußerte ab und an Korrekturwünsche. Im Gespräch stellte sich übrigens heraus, dass Jim irischer und deutscher Abstammung ist und was soll ich sagen - die deutsche Gründlichkeit muss in den Genen liegen, denn ich musste irgendwann gar nichts mehr sagen, weil er den Korrekturbedarf selber erkannte und geduldig beseitigte. Ich war ehrlich gesagt begeistert, denn was ich bisher an amerikanischer “Gründlichkeit” im Handwerkssektor erleben durfte, war bestens geeignet, um einem verwöhnten Europäer die Tränen in die Augen zu treiben …
Wie gut, daß bei diesem für mich sehr wichtigen Schritte der Lackierung wenigstens alles zu passen schien!
Das Anbringen des blauen Klebebandes dauerte eine gute Stunde, während derer sich der Chef mehrmals blicken ließ, um nach dem Rechten zu sehen und sich nach meiner Zufriedenheit zu erkundigen. Danach ging es ans Abkleben des oberen Fahrzeugteils, damit sich auf dem Schwarz kein Silberwölkchen niederlassen konnte.
In der Zwischenzeit war ich mit dem Farbmeister zu Gange, um den richtigen Silberton zu finden. Auch hier nahm man sich viel Zeit für mich und geduldig wurden mir alle Fragen beantwortet. Ich hatte bereits vier Töne in die engere Auswahl genommen und nach einiger Zeit kristallisierte sich der Favorit heraus: Quicksilver aus dem GM-Katalog, Modelljahr 2004.
Dieser Farbton hat ganz kleine Metallicpartikel und enthält zu meiner Verwunderung neben silbergrau noch rot, gelb, weiss und schwarz. Allerdings in winzigen Mengen - und es war hochinteressant, Jerry beim Anmischen einer Testdose zuzusehen. Diese wurde dann einige Minuten in einer Maschine durchgeschüttelt und Jim sprühte mir anschließend ein Kärtchen damit an.
Ich hielt es direkt ans Auto, um den Kontrast direkt sehen zu können. Ja, das sah gut aus, die Farbe war gekauft!
“Ganz sicher?” fragte Jeff und meinte, danach gäbe es kein zurück mehr.
Ja, die nehmen wir! Also gut, Jim mischte sogleich eine größere Menge von GM-WA470G an und dann ging es auch schon los, ab in die Kabine, volle Kanne rauf mit dem Silber!
Und wieder schwang Jim die Pistole und wieder war es nur so eine Freude, ihm dabei zuzusehen. Und der Wagen nahm noch ein Stückchen mehr Gestalt an. Nachdem dieser Durchgang beendet war, ging es wieder ans Warten, bis sich der Lack gesetzt hatte. Bei der Gelegenheit ging ich gleich mit in die Kabine und sah überaus gespannt zu, wie nun die Trennlinie abgezogen wurde.
Junge, war das ein geiles Erlebnis! Es lässt sich schwer in Worte fassen, wenn man einen scheinbar so banalen Vorgang beobachtet, der auf der anderen Seite wiederum aber genau den Punkt markiert, wo das, was man monatelang im Kopf als Bild vor sich hatte nun plötzlich real wird … einfach nur cool!
Die bisherige Lackierung ist schön verlaufen, nur war das ja nur “Basecoat” und daher demnach nur ein leichter Seidenglanz zu sehen, was sich aber nach Aufbringen des Klarlacks spontan ändern sollte.
Also her mit dem dicken Glanzverstärker!
Und schon ging es weiter, vier Schichten standen auf dem Programm, die mit kurzen Pausen hintereinander aufgetragen wurden. Ich nutzte die Zeit für eine weitere Snackpause, es war schon spät am Abend, der Stundenzeiger stand kurz vor acht und ich hatte maechtig Kohldampf. Also auf zur Exxon nebenan und etwas nahrhaften Fertigfraß reingeworfen - gelobt sei, was dick macht!
Als ich zurückkam, war gerade Schicht Nummer vier kurz vor der Vollendung und alsbald schloss sich die Einbrennphase an, welche nochmal gute 40 Minuten dauerte. In dieser Zeit führte ich mit dem Chef ein interessantes Gespräch zum Thema allgemeine Wirtschaftslage und das Business Bodyshop im Speziellen.
Jim war inzwischen mit Aufräumarbeiten beschäftigt und sichtlich erledigt von der heißen Kabine und dem Stress des langen Tages. Was soll ich sagen, mir ging es nicht anders, und das obwohl ich kein Stück gearbeitet hatte!
Gegen 21:30 Uhr war es endlich soweit und ich konnte den “frischgebackenen” und noch nicht ganz vollendeten Trans Am unter die Lupe nehmen. Ja, das sah schon mal ganz gut aus, aber der Lack würde erst nach dem Nass-Schleifen und anschließender Politur perfekt aussehen. Die restlichen Teile sollten im Lauf der nächsten Woche lackiert werden und dann würde es ans Zusammenbauen gehen.
Hörte sich gut an! Total erschlagen von all den Eindrücken dieser Aktion verabschiedete ich mich, sattelte den Firebird (TBI) und brach Richtung Heimat auf. Dank um dieser Zeit freien Straßen war ich in knapp 40 Minuten daheim und nach meiner Ankunft blätterte die ganze Aufregung des Tages langsam ab und das Bett rief in nicht überhörbarer Lautstärke
Ich muss sagen, der Tag war schon etwas besonderes. Es war schön zu sehen, wie mein Projekt diesen großen Schritt Richtung Vollendung getan hat und umso mehr freue ich mich jetzt daruf, die restlichen Schritte mitzuerleben, so dass ich den alten Trans Am in neuem Gewand nach dem Bandit Run endlich in Empfang nehmen kann.
Denn schon nächste Woche bin ich wieder dabei, wenn der Endspurt in Sachen Lackierung ansteht!

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Sehr schöner KARR
Gruss Volker
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