Bereits eine Woche nach der Abholung des Roadmasters in South Carolina war wieder Action angesagt und der Bolide sollte seine letzte Reise auf amerikanischen Boden antreten. Schließlich wartete der neue Besitzer in Deutschland schon ungeduldig darauf, sich es in den Sitzen Marke “Opas Fernsehsessel” bequem zu machen und über Bayerns Highways zu schaukeln.
Also ging es am Samstag in der Früh auf zur Hafenstadt Baltimore, wo ich ihn am Terminal abgeben wollte. Ein letztes Mal schaukelte ich also in diesem ruhig vor sich hin brabbelnden Schiff über die 95 Nord und kam schließlich dank Navi auch am richtigen Ort an. Baltimore ist eine alte Stadt mit einem sehr hohen Anteil schwarzer Bevölkerung und recht hoher Kriminalitätsrate. Am Tag zuvor habe ich Chris noch die aktuelle Mordstatistik gezeigt, was ihn sehr beunruhigte. Letztendlich schaffte es der Roadmaster doch ohne Einschusslöcher ins Depot, das sich übrigens als Teil eines wenig vertrauenerweckenden Autohändlers entpuppte.
Von der so oft gepriesenen amerikanischen Freundlichkeit war hier kaum etwas zu spüren, denn eher unwirsch nahm man es zur Kenntnis, daß ich keinen Gebrauchtwagen kaufen, sondern einen zum Weitertransport abliefern wollte. Das zu allem Unglück auch noch knappe zwei Stunden vor Feierabend und dementsprechend hoch war die Motiviation, sich mit dem Papierkrieg der Spedition auseinandersetzen zu wollen.
Nun denn, der Angestellte, der dafür verantwortlich war, fragte nach dem Füllstand des Benzintanks, der unbedingt weniger als 1/4 sein müsste, ansonsten er den Wagen nicht annehmen wollte.
Dummerweise war der Tank deutlich voller, nämlich nach 380 Meilen bei über der Hälfte, was eigentlich sehr ungewöhnlich ist und ich eher meinte, die Tankuhr hätte möglicherweise einen Defekt, aber das interessierte den netten Herrn überhaupt nicht. Entweder, ich schaffe den Wagen bis 13:00 Uhr mit weniger Sprit her oder ich könne wieder fahren. Weitere Hilfe bot er nicht an und den Buick könnten wir in der Zwischenzeit hier auf gar keinen Fall stehen lassen.
Ergriffen von soviel Hilfsbereitschaft fuhren wir also vom Hof auf der Suche nach einer Möglichkeit, den Tank leerzubekommen. Nicht weit entfernt war ein Baumarkt, da würden wir doch fündig werden, oder? Mir schwebte sowas wie eine kleine Handpumpe vor, mit der man den Tank ein wenig leersaugen könnte. Leider war auch da niemand in der Lage uns zu helfen und daher ließen wir den Buick am Rand des dortigen Parkplatzes stehen und fuhren zu AutoZone, einem Teilehändler, der sich gleich in der Nähe befand. Nach ca. 30 Minuten hatte ich eine Pumpe mit zwei Schläuchen und einen Kanister, also schnell hin zum Roadmaster und losgesaugt, die Zeit drängte langsam.
Doch hier hatte ich die Rechnung ohne die Konstrukteure von GM gemacht, denn den Schlauch zum Benzin zu bringen gestaltete sich als unglaublich schwierig, da das Rohr von Einfüllstutzen zum Tank wunderbar gebogen ist und ich erst nach weiteren 10 Minuten und Anwendung von roher Gewalt endlich das teure Nass erreichte. Alsdann war heftiges Pumpen angesagt und den Sprit ließ ich gleich in den daneben parkenden Firebird laufen … ihr glaubt nicht, wie blöde die vorbeifahrenden Leute geschaut haben, ich fühlte mich fast wie in Deutschland!
Das Abpumpeni war eine ziemliche Sauerei, weil ich mir damit sowohl die Hose als auch mein Schuhwerk eingesifft habe, so daß vor Ort - nicht zuletzt wegen meiner Stimmung - akute Explosionsgefahr herrschte.
Bereits ahnend, daß der liebe Speditionsmensch keinen Millimeter Abweichung von der Viertelmarke tolerieren würde, hab ich lieber gleich etwas mehr abgepumpt als notwendig, damit dieses Problem erst gar nicht aufkommen würde und habe schließlich die Pumpe an Ort und Stelle entsorgt, um rechtzeitig wieder am Abgabeort sein zu können.
Dort angekommen ging der Bearbeiter wortlos zum Auto und stellte kopfschüttelnd fest, daß der Tank ja wohl immer noch zu voll wäre. Wie bitte? Moment, die Sache war schnell aufzuklären, denn der Wagen stand auf unebenem Gelände. Diese Tatsache versuchte ich dem netten Herren zu erklären, der sich jedoch schlichtweg weigerte, das Fahrzeug anzunehmen - nein, es wäre zuviel Benzin drin, basta!
Das war der Moment, in dem mein Geduldsfaden mit einem lauten Knall gerissen war.
Ich erklärte ihm, ich würde den Buick jetzt vor seine Tür, auf ebenes Gelände, fahren und dann würde er schon sehen. Nein, interessierte ihn nicht. Wutentbrannt stieg ich ein und fuhr den Großen direkt in die Einfahrt, stieg aus und sagte dem Typie gereizt, er soll jetzt herkommen und die Tankuhr ablesen (die jetzt nur noch 1/8 anzeigte). Der Oberhammer war, dass der freundliche Herr sich keinen Millimeter bewegte und behauptete, das Auto würde jetzt schief dastehen!
Hallo?! Knick in der Optik? Auto gerade, nixe schief! Ich stand nun in seiner Einfahrt und hatte nicht vor, den Weg (für seine kaufwillige Kundschaft) wieder freizumachen und bat diesen “Speditionshilfsassisstenten” lautstark zu mir. Endlich bewegte er sich auf den Buick zu und warf widerwillig einen Blick auf die Tankuhr - und plötzlich war alles in Butter! Mit einem lapidaren “Good enough for me” und nicht dem Hauch einer Entschuldigung wackelte er in sein Büro, um den Papierkram fertig zu machen.
Ich hab schon viel an Servicemüdigkeit in USA erlebt, aber das Schlug wirklich dem Fass den Boden aus. Also nichts wie weg, schnell die Unterschrift drunter gekritzelt und Wiedersehen …
Die Heimfahrt war leider auch nicht schön, denn es war Stauzeit auf dem Beltway und so waren wir erst am späten Nachmittag wieder zuhause - was für ein Horrortrip!
Der Roadmaster wird nun verladen und wird in etwa vier Wochen Bremerhaven erreichen. Und dann bekommt der Chris endlich sein von Clickie zurechtgerittenes US-Fahrzeug mit echten Interstate-Meilen drauf!
Dem Buick-Schiff wünsche ich eine gute Reise und Ankunft in Europa und dem zukünftigen Besitzer viel Freude damit! ![]()


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