Zur Abwechslung kauf ich mal nicht ein Auto für mich (es reicht langsam), sondern für meinen Kumpel Chris. Der ist inzwischen ebenso im automobilen Seniorenalter angekommen und möchte seine morschen Gebeine möglichst bald in einer amerikanischen V8-Sänfte herumkutschiert haben.
Nicht verzagen, Clickie fragen!
Chris interessierte sich für einen Roadmaster, allerdings für die Limousine, nicht den Station Wagon. Gut, die Dinger sind alles andere als gefragt und damit relativ billig zu haben. Oft kommen diese Boliden auch noch aus gepflegter Rentnerhand mit wenig Meilen … und so kam es, dass ich bei eBay ein sehr gut erhaltenes Exemplar in “light driftwood metallic” gefunden hatte (dieselbe Farbe wie mein Kombi, allerdings ohne Holzbeplankung).
Der gefiel dem Chris auf Anhieb sehr gut und so kontaktierte ich den Verkäufer, um ihn erstmal gründlich auszufragen.
Der Roadmaster war seinen Worten nach in sehr gutem Zustand und sollte nur 53.000 Meilen auf dem Tacho haben - kein Rost und technisch einwandfrei, abgesehen von einem defekten Klimakompressor.
Aus den danach übersandten Fotos im Großformat konnte man einen guten Eindruck von dem Wagen gewinnen und dieser hat sich dann bei Chris gleich so positiv verfestigt, dass er den Buick unbedingt haben wollte. Wie das nun mal so ist, auch hier standen mal eben 420 Meilen zwischen mir und dem Auto, also konnte man nicht eben zur Besichtigung hinfahren.
Nun denn, da blieb also nur noch, Nägel mit Köpfen zu machen und die Sache knallhart durchzuziehen - ist ja mittlerweile das vierte Auto, das ich ungesehen kaufen sollte. ![]()
Preislich kam mir der Verkäufer noch etwas entgegen und dann klickte ich schon auf “Buy it now” und Buick Nummer 3 war gekauft.
Als nächstes wurde der Flug nach Charlotte, North Carolina erstanden und netterweise wollte mich der Verkäufer dort direkt mit dem Roadmaster abholen - ein netter Zug!

Am Samstag darauf ging es also um 7:00 Uhr los und ich war auf dem Weg in den sonnigen Süden. Am Flughafen war wieder einiges los und nach dem üblichen Sicherheitsgefilze saß ich auch schon bald im Flieger, der pünktlich durchstartete und - nach einem ruppigen Landeanflug - nach etwas über einer Stunde schon wieder butterweich aufsetzte … schon Hammer, wenn man bedenkt, dass man mit dem Auto gute acht Stunden unterwegs ist!
Also nichts wie raus und ab zur Abholspur, ein kurzer Anruf beim Verkäufer und nach zwei Minuten sah ich auch schon den Dicken (ich rede vom Auto) anrollen - klappte ja alles wie am Schnürchen!
Der Verkäufer mit Namen Rolf entpuppte sich als ungefähr 17 Jahre alt und überaus freundlich, im Süden sind die Leute halt doch etwas lockerer drauf. Auch der Buick machte soweit einen guten Eindruck, ein fast makelloses Interieur und außen sah er auch sehr gepflegt aus.
Wir fuhren schnurstracks zur Bank um die Formalitäten zu erledigen. Auf der Fahrt dorthin hörte ich auch keinerlei auffällige Geräusche, wir gleiteten einfach so dahin, kein Vergleich zu dem Flug von gerade eben!
Rolf erzählte mir, er wolle sich ein 90er BMW Cabrio kaufen und das Objekt der Begierde war schon ausgesucht. Ist doch schon ein ganz schöner Unterschied zum Buick, aber was macht ein Jungspund wie er auch mit einem Rentnerauto wie dem Roadmaster? ![]()
An der Bank angekommen, erledigten wir den Papierkram in Rekordzeit. Das war auch ganz gut so, denn ich hatte doch noch etwas an Strecke vor mir! Also schnell verabschiedet und los gings!
Das mit dem sonnigen Süden war übrigens nichts und stattdessen regnete es leicht vor sich hin. Kein Problem, ist ja ein Dickschiff, das unter Wassereinfluss nicht schmilzt … nur sollte man beim feuchten Straßen etwas auf die Traktion achten, denn das Heck brach mir beim Einbiegen auf die Straße gleich mal gepflegt aus - tolle Nummer!
Okay, fährt sich wohl ein wenig anders als mein Station Wagon. Na gut, wir sind ja lernfähig!
Nachdem ich mich an die schaukelige Fahrweise und die schwammige Lenkung gewöhnt hatte, ging es schnurstracks auf die Interstate 77 und ich konnte direkt mit 70 Meilen pro Stunde nach Hause knüppeln.
Die erste Stunde machte ich trotz des miesen Wetters ordentlich Strecke, schließlich war es Samstag mittag und da würde ich bestimmt nicht auf einen Stau treffen … leider falsch, denn plötzlich stand alles um mich herum, weswegen ich dachte, ich sollte vielleicht auch lieber anhalten. Es ging dann im Schneckentempo voran, wie ich es von mir zuhause gewohnt bin, aber doch nicht in der Pampa North Carolinas! Auch nach einer halben Stunde war immer noch nichts von einem Unfall oder einem Großaufgebot der Highway Patrol zu sehen - komisch. Am Ende (nach einer Stunde und ca. 6 gefahrenen Meilen) war nur eine Fahrbahn gesperrt und was ich da gesehen habe, hat mir echt den Vogel rausgehaut:
Normalerweise ist es ja üblich, bis an den Schluß der endenden Spur vorzufahren, um sich dort einzufädeln. Scheinbar herrscht hier aber karolinisches Landrecht, denn ein paar Autofahrer fuhren einfach in der Mitte der beiden Spuren, damit sich niemand vordrängeln konnte. Da war ich baff, sowas hatte ich bisher in USA noch nicht erlebt! Einem der besonders penetranten Oberlehrer hätte ich am liebsten was gezeigt, aber ich konnte mich dann doch zusammenreissen.
Weiter ging es nun mit knapp 80 Meilen auf dem Tacho, schließlich wollte ich auch noch einmal heimkommen, hehe.
Allerdings meldete sich nun mein Magen zu Wort und knurrte mir was von wegen “Essen, JETZT!” vor. Das konnte ich ihm nicht verübeln, zumal er bisher nur ein ekliges Subway-Sandwich am Flughafen bekommen hatte.
Nach über zwei Stunden und dem Nervstau war eine Pause auch ganz angenehm. Also eben einen dicken Burger bei Shoney’s eingeworfen und danach sollte der Buick auch frischen Treibstoff bekommen.
Und weiter ging es Richtung Nordwesten, ab nach Virginia. Nachdem ich eine üble Nebelpassage in den Bergen hinter mich gebracht hatte, klarte das Wetter zunehmend auf und dann endlich kamen auch die ersten Sonnenstrahlen heraus, die den Rest der Fahrt doch ein wenig freundlicher gestalteten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch knappe 250 Meilen vor mir, es wurde also nicht etwa langweilig.
Der Rest der Fahrt verlief recht unspektakulär. Gut war auf jeden Fall das absolut geringe Cop-Aufkommen während der ganzen Fahrt. So konnte man doch manchmal etwas schneller fahren, ohne daß man von rot-blauem Blitzlichtgewitter im Rückspiegel abgelenkt wurde. ![]()
Eine gute Taktik ist es, sich zwischen zwei schneller fahrende Fahrzeuge zu klemmen. Wenn das Radar von vorne kommt, erwischt es den Vordermann, sollte ein Polizeiwagen von hinten kommen, ist der Fahrer hinter mir dran - aber zum Glück hatte es keinen erwischt, vermutlich hatten die Herren schon ihre Strafzettelquote voll, war schließlich Ende des Monats.
Irgendwann wurde es dann Nacht, aber zum Glück waren nur noch knappe 40 Meilen abseits der Interstate zu bewältigen, die dann auch noch vorbeigingen, so daß ich um 20:40 Uhr den Motor ausmachen konnte.
Dem Chris gratuliere ich ganz herzlich zu seinem Roadmonster, er wird dir sicher viel Freude bereiten.
Jetzt muß ich nur noch den Transport organisieren und dann kann der gute Buick zum Hafen geschippert werden - aber das wird eine andere Geschichte …

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3 Anwort(en) auf diesen Artikel
Ich kann mich nur nochmal ganz herzlich bei Dir bedanken und freue mich schon unsagbar auf mein neues Auto!
Toller Bericht ! Und natürlich auch ein sehr schönes Auto !
Prima Clicky!!!Prima Auto!!!
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