Im Sommer habe ich mir spontan einen weiteren 84er Trans Am gekauft. Was mir bei meinem Braunbären fehlt, sind schlicht und ergreifend die T-Tops! Es gibt für mich nichts schöneres, als bei sonnigem Wetter die Dächer herunterzunehmen und den V8-Sound noch besser geniessen zu können, während der Wind durch das Resthaar fegt.
Nun, allerdings war das nicht der einzige Grund. Ich wollte schon lange einen KARR haben … die 80er hatten mich mal wieder im Würgegriff. Schon seit Jahren horte ich Teile, die man für so einen Umbau braucht und dachte, es sei nun endlich an der Zeit, dieses Projekt zu realisieren. Ich sagte mir, wenn es dir gelingt, einen guten Trans Am mit geringer Laufleistung, beiger Innenausstattung und gutem Gesamtzustand zu ergattern, dann leg los!
Und so kam es, dass ich bei www.collectorcartraderonline.com über ein möglicherweise passendes Exemplar stolperte. Es stand im fernen Alabama, es war nur ein mieses Foto dabei, aber die Beschreibung war verlockend und deswegen rief ich kurzerhand bei dem Verkäufer an. Bisher hatte ich nicht das Vergnügen mit Amis aus den tiefen Südstaaten und so hatte ich einige Schwierigkeiten, dem Wolldecken-Dialekt des netten Gegenübers am anderen Ende der Leitung zu folgen. Zumindest kitzelte ich ihm die VIN heraus, die ich kurz darauf bei Autocheck überprüfte.
Der geringe Meilenstand (damals ca. 36.000) wurde mir dort bestätigt und auch sonst gab es keine Auffälligkeiten, sehr schön!
Nun war noch das Problem der Entfernung … von mir zum Trans Am sind es immerhin 700 Meilen, also gute 13 Stunden Fahrzeit - ein Glück aber auch, dass ich drei Wochen später geschäftlich in der Gegend zutun hatte und so die Distanz auf netto 70 Meilen schrumpfte. Was für ein netter Zufall! Jetzt wäre es natürlich schade gewesen, wenn mir jemand in den nächsten 21 Tagen den Wagen vor der Nase weggeschnappt hätte. Nachdem dieser jedoch in einer entfernten Hinterwäldlergegend friedlich in seiner Garage schlummerte, war das wohl nicht der attraktivste Reiseort für interessierte Autokäufer und so konnte ich mich vom guten Zustand des Trans Ams auch bald überzeugen. Als einziger weiterer Kaufinteressent war übrigens zu dem Zeitpunkt ein 16jähriger Junge aus der Nachbarschaft im Gespräch.
Nun, der Wagen stand wie gesagt gut da und war sehr gepflegt, die Innenausstattung top, keine Risse in den Sitzen, ein schoener Teppich, eine neue Headlinerbespannung - was will man mehr. Der Lack war größtenteils in Ordnung, war aber an der Schnauze schon etwas im matten Bereich, ansonsten aber durchaus gut. Man sah aber deutlich, dass es sich um eine “Single Stage”-Lackierung handelte, denn die Modelle von 82-84 hatten noch nicht das Vergnügen, nach dem Farbauftrag noch eine Klarlackschicht mitzubekommen. Der Vergleich zu meinem 92er Firebird war vernichtend, zumal dessen Lack generell in deutlich schlechterem Zustand war.
Der Motorraum sah nicht so schön aus wie bei meinem braunen Trans Am, zeugte aber von solider Pflege - ich hab schon wesentlich Schlimmeres gesehen. Wie es aussah, war der Wagen die Meiste Zeit seines Lebens in der Garage gestanden, einige Zeit stand er aber wohl draussen, was man an ein paar Sonnenschäden am Lack und den üblen Wasserflecken auf den Glasflächen erkennen konnte.
Mit dem Verkäufer wurde ich mir schnell einig, aber nicht mit dessen Frau, die wollte nämlich keinen Cent vom Kaufpreis herutergehen. Was will man(n) machen, wir zwei hatten gegen die frauliche Übermacht nichts zu melden und so war die Sache recht schnell erledigt. Dann blieb noch das Problem des Transports. Wie sollte ich denn die 70 meilen von meinem Arbeitsort in die Pampa zurücklegen? Ich war allein auf der Reise und den Mietwagen konnte ich dort jedenfalls nicht abgeben und öffentlicher Nahverkehr schied sowieso aus, ein Taxi wollte auch nicht so weit fahren (!) und ein Autotransporter war auf die schnelle nicht herbeizuzaubern … ich hatte mich schon damit abgefunden, eine Woche später mit Frau und Buick die Strecke herunterzuknüppeln und den Trans Am in sein neues Zuhause zu bringen.
Als ich das am nächsten Tag beiläufig einem Kollegen vor Ort erzählte, meinte der spontan, er würde da ganz klar mit mir am Freitag nach der Arbeit runterfahren - wäre ja noch schöner! Ich war fassungslos, so ein nettes Angebot und dann noch von jemanden, der mich nur übers Telefon kannte, Wahnsinn! Natürlich sagte ich da nicht nein und am nächsten Tag ließ ich meinen Heimflug sausen und wir düsten zur Abholung.
Das Wetter war schön und wir trafen uns mit der Frau des Verkäufers direkt bei der Bank. Das Ding war, ich hatte keine Gelegenheit, einen certified check (für den Verkäufer relativ sicheres Zahlungsmittel) zu besorgen, hatte aber mit dem Verkäufer vereinbart, dass er auch einen normalen von mir nimmt. Das hat der Dame aber nicht gepasst und wollte das auf einmal nicht akzeptieren! In den nächsten 30 Minuten bearbeitete ich die gute Frau unter Einbeziehung einer Bankangestellten, meiner Bank und dem Verkäufer am Telefon - ich hatte schließlich im Vertrauen auf den Abschluss des Geschäfts meinen Flug sausen lassen und wäre echt tierisch angepisst gewesen, wenn die Schrapnelle (sorry) meinem Plan einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte!
Nun gut. Letzten Endes einigten wir uns darauf, dass sie den Fahrzeugbrief behalten sollte, bis sie die Kohle auf dem Konto hatte.
Puh, da fiel mir fiel ein Stein vom Herzen, gerade noch mal gut gegangen.
Nachdem die Fomalitäten erledigt waren, verabschiedete ich mich von allen und tippte den Heimweg in mein Navi - genau 703 Meilen warteten darauf, mit meinem neuen Trans Am heruntergespult zu werden, also nichts wie los! (Zum Vergleich, das ist fast exakt dieselbe Entfernung wie von Hamburg nach Mailand).
Bis ich auf der Interstate war, vergingen gut zwei Stunden, aber dann ging es schnurstracks mit 70mph Richtung Nordwesten … ein absolutes Affentempo, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.
Der Firebird machte keine Zicken, Öldruck und Motortemperatur blieben im gesunden Bereich, die Klimaanlage machte die feucht-heisse Außenluft erträglich und das Radio spielte eingängige Country-Musik. So verstrich nun Meile um Meile, Pause machte ich nur einmal zum Tanken, bis die Nacht anbrach fuhr ich durch und darüber hinaus. Irgendwann merkte ich, daß mir die Konzentration so langsam flöten ging und die Müdigkeit einsetzte.
Zeit für eine weitere Tankpause!
Kein Problem an der Interstate, also schnell die nächste Ausfahrt genommen und Graf Dracula mit Brennstoff versorgt. Für mich selber sprangen zwei Red Bull und so ein 5-Stunden-Energiegetränk (ca. 30ml) heraus, ich hatte zu diesem Zeitpunkt schließlich noch was vor mir! Also rein mit dem Stier aus Österreich und fröhlich weitergefahren … bis irgendwann der Koffeinkick nachließ und die Augenlider immer schwerer wurden. Mist!
Vielleicht doch lieber ein Hotel suchen? Sollte eigentlich kein Problem sein. Hotels und Motels gibt es an der Interstate jede Menge, also schnell das Navi nach einem vernünftigen befragt und los! Die Hotelsuche selber war kein Problem, aber die Anzahl freier Zimmer war eins, denn es war Freitag Nacht und die meisten Hotels ausgebucht. Nachdem ich ein paar davon erfolglos abgeklappert hatte, begab ich mich notgedrungen wieder auf die Piste und griff zur Geheimwaffe mit der Aufschrift “5 hour Energy” - runter damit und rauf aufs Gaspedal!
Die versprochene Energie kam dann auch ganz schnell, hielt aber leider keine fünf Stunden - doch die Zeit bis zum Verpuffen der Wirkung war toll. Die Straße gehörte um diese nachtschlafende Zeit fast mir alleine und ich dachte, ich knüpple jetzt durch bis nach Hause und rechnete mit die Ankunft für ca. 4:30 morgens aus.
Vielleicht hat die einschläfernde Wirkung der Country-Musik auch was dazu getan, aber nach knapp zwei Stunden war von den versprochenen fünf Stunden Energie nichts mehr zu spüren und ich wusste, daß es nun definitiv Zeit fürs Bett war. Die Deluxe-Sitze des Trans Am waren zwar prinzipell bequem, erschienen aber im Lauf der Hunderte von Meilen immer weniger attraktiv, die Nacht darauf zu verbringen. Also nochmal weg von der Interstate, Hotel suchen!
Diesmal hatte ich mehr Glück und schnappte einem anderen müden Traveller das letzte Zimmer in der Econo Lodge Marion, Virginia vor der Nase weg. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen!
Vor der Rezeption sprach mich noch ein Herr um die 50 an und meinte, das wäre ein toller Wagen und er hätte so einen auch früher gehabt. Ich bedankte mich für das Lob, redete noch kurz mit ihm und parkte den Pontiac dann vor meinem Zimmer … Schlafmodus, jetzt!
Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle, am nächsten Morgen war ich schon ganz heiß, die letzten 320 Meilen herunterzureißen und so war ich um kurz vor acht schon wieder auf der linken Spur der Interstate 81 zu finden. Mein Neuerwerb brabbelte auch da wieder brav vor sich hin und verichtete zuverlässig seinen Dienst.
Der Rest der Heimfahrt verging recht ereignislos, ein paar Vetten hier und dort und eine Menge Mustangs ließ ich hinter mir und die Cops mich in Ruhe, obwohl ich das Speed Limit zeitweise recht deutlich überschritten hatte. In Virginia gelten nämlich satte 65mph als das Maximum - aber das fährt natürlich keiner.
Nach einer weiteren Tankpause kam ich am frühen Nachmittag zuhause an, parkte den Vogel an der Straße und ließ den Stress dieses Monstertrips bei einer Tasse Kaffee abbauen. Das war also Bird Nummer drei in meinem Besitz - wieder ein Schnabel mehr zu stopfen, aber das ist angesichts fehlender KFZ-Steuer und geringer Spritkosten zum Glück hier nicht so das Thema.
Das Wetter war hier auch sehr schön und schnell wanderten die T-Tops in die Tasche, meine Frau ergriff begeistert das Steuer und so grummelten wir los, den Sound des V8 in den Ohren und die warme Sommerluft in den Haaren …


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